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Abschied von Martin Schmidt
30. November 2011. Trauerfeier in der Blankeneser Kirche am Markt
Der Verein zur Erforschung der Geschichte der Juden in Blankenese, für den
ich hier spreche, nimmt heute Abschied von Martin Schmidt, unserem Mitbegründer,
Vorsitzenden und Freund. Zusammen mit Sabine Boehlich hat Martin Schmidt am 28.
März 2003 den Verein ins Leben gerufen, um, wie es in der Vereinschronik
heißt, „die Geschichte der im Nationalsozialismus fast vollständig
vertriebenen oder umgebrachten Juden nicht vergessen zu lassen.“ An das
Schicksal dieser Menschen erinnern auch die Stolpersteine. Der erste von heute
27 Stolpersteinen in Blankenese wurde 2002 von Gisela Dulon gelegt. Der Stolperstein
für Julius Asch gehört zur Vorgeschichte des Vereins und Martin hat
immer Wert darauf gelegt, daran zu erinnern. Mit unserem, mit „seinem“ Verein
hat Martin mit unermüdlicher Kraft die Ungeheuerlichkeit der Schoa auch
hier in Blankenese aufgedeckt – nicht laut, aber umso klarer, tatkräftig
und überzeugend. Viele Projekte zeugen davon – die große Ausstellung „Viermal
Leben“, der Besuch der jüdischen „Kinder von Blankenese“,
das jährliche Gedenken an die aus dem „Judenhaus“ am damaligen
Steubenweg in den Tod Geschickten, die Ausstellungen jüdischer Künstler
in Blankenese, das Buch „Kirschen auf der Elbe“, dessen englischsprachige
Ausgabe bevorsteht. Wie konnte in diesen wenigen Jahren an diesem Ort so viel
bewegt werden? Sätze wie „Das ist nicht zu schaffen“ oder „das überfordert
uns“ ließ Martin nicht gelten. Was bedeuteten diese Projekte für
Martin? Er dachte utopisch und praktisch zugleich und konnte beides verbinden,
weil er an den Menschen dachte, den er bewegen wollte. Eine positive Grundeinstellung – „Gutes
von ihm reden und alles zum besten kehren“ – machte diese Projekte
möglich. Ein anderes Blankenese, das sich auch diesem Teil seiner Geschichte
stellt, ist seither zu spüren. Und auch wir, Martin Schmidts Mitstreiter
und Mitstreiterinnen am Ort, haben uns ein Stück verändert, Martin
hat uns mit dieser gemeinsamen Arbeit verändert. Dafür danken wir dir,
Martin.
Margret Johannsen
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