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Gedenken an die Deportationen aus dem Blankeneser „Judenhaus“
und an alle Opfer nationalsozialistischer Verfolgung in Blankenese

19. Juli 2012,
10.00 Uhr, Gottesdienst in der evanglisch-lutherischen Kirche Blankenese
12.00 Uhr, Gedenkfeier im Grotiusweg 36


Am 19. Juli jährte sich zum siebzigsten Mal der Tag, an dem die damals letzten zehn Bewohner des von den Nazis als „Judenhaus“ benutzten Hauses Steubenweg, heute Grotiusweg 36, mit einem vom damaligen Hannoverschen Bahnhof in Hamburg ausgehenden Zug nach Theresienstadt deportiert wurden. Zwei Bewohnerinnen entzogen sich in den Tagen davor diesem Transport, indem sie selbst ihrem Leben ein Ende setzten. Alle am 19. Juli 1942 nach Theresienstadt deportierten zeitweiligen Bewohner des Hauses Steubenweg 36 kamen dort oder in anderen Konzentrationslagern, wohin sie von Theresienstadt geschickt wurden, ums Leben – ebenso wie die anderen namentlich bekannten Bewohner des Hauses, die von Oktober 1941 an nach Lodz, Minsk, Riga oder Auschwitz deportiert worden waren.
Nach unserer Kenntnis kamen 17 Menschen aus dem „Judenhaus“, 26 jüdische und drei weitere Blankeneser durch die nationalsozialistische Verfolgung ums Leben. Dieser Menschen gedenkt der „Verein zur Erforschung der Geschichte der Juden in Blankenese“ seit 2005. Die evangelisch-lutherische Kirchengemeinde Blankenese gedenkt seit 2010 aller Opfer nationalsozialistischer Verfolgung in jedem Jahr an dem Sonntag, der dem 19. Juli am nächsten liegt.
In diesem Jahr war das am 22. Juli. Im Gottesdienst dieses Sonntags, den Probst Horst Gorski hielt, wurde aller dieser Opfer gedacht. Danach erinnerte um 12.00 Uhr eine kleine Gedenkfeier am Grotiusweg 36 an die Geschichte des Hauses und an seine damaligen Bewohner.

Für den Verein zur Erforschung der Geschichte der Juden in Blankenese sprach Prof. Friedemann Hellwig. Kersten Albers, stellvertretender Bezirksamtsleiter Altona, sprach ein Grußwort. Carina Stamm, Klarinette, und Sönke Klegin, Trompete, spielten Sätze alter Meister.

Es sprachen

Prof. Friedemann Hellwig
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Kersten Albers
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Gedenken an die
aus dem Blankeneser „Judenhaus“ Deportierten
und an alle Opfer nationalsozialistischer Verfolgung in Blankenese
17. Juli 2011, 12.00 Uhr, Grotiusweg 36

Es sprachen

Rolf Starck
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Eva McDonald
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Kersten Albers

Eva Mc Donald, eine Enkelin von Olga Babette Arnthal, die damals aus dem Hause deportiert wurde und in Theresienstadt umkam, war – aus Schottland kommend – anwesend und teilte Erinnerungen mit den Versammelten.

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Gedenken an die Deportationen aus dem Blankeneser „Judenhaus“
und an alle Opfer nationalsozialistischer Verfolgung in Blankenese

18. Juli 2010, 12.00 Uhr, Grotiusweg 36

Es sprachen

Prof. Friedemann Hellwig
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Propst Dr. Horst Gorski
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Pastor Klaus Poehls
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Der Cantus Blankenese unter Leitung von Hartwig Willenbrock sang nach der Ansprache von Prof. Hellwig den Choral "Aus tiefer Not schrei ich zu dir" von Heinrich Schütz.
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Annegret Saphir, begleitet von Michael Bentzien an der Gitarre, sang "Freunde, dass der Mandelzweig wieder blüht und treibt" von Felicitas Kukuck, nach dem Gedicht von Schalom Ben-Chorin (geb. Fritz Rosenthal) "Das Zeichen" (1942)
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Die Namen und die Lebens- und Todesdaten der 46 Ermordeten wurden verlesen. Schilder mit ihrem Namen wurden zusammen mit Blumen am Zaun des Grundstücks befestigt.
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Wolfgang Seibert, Vorsteher der Jüdischen Gemeinde Pinneberg, sprach das Gebet für die Opfer des Nationalsozialismus "El Male Rahami", und Gillel Melamed, 1946 bis 1948 Mathematiklehrer der Kinder von Blankenese am Kösterberg, sprach das "Kaddisch", das jüdische Totengebet.
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Gedenken an die
aus dem Blankeneser „Judenhaus“ Deportierten

19. Juli 2009, 11.45 Uhr, Grotiusweg 36

Bericht: » PDF-Dokument
Rede von Prof. Friedemann Hellwig: » PDF-Dokument
Ansprache von Pastor Klaus-Georg Poehls: » PDF-Dokument

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Gedenken am Grotiusweg 36
19. Juli 2008, 11.00 Uhr

Rede von Dr. Margret Johannsen: » Word-Dokument  | » PDF-Dokument
Gedicht von Hilde Domin "Graue Zeiten": » Word-Dokument  | » PDF-Dokument

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Kranzniederlegung am Grotiusweg 36
19. Juli 2007, 11.00 Uhr

Rede von Bärbel Rose: » Word-Dokument  | » PDF-Dokument
Gedicht von Nelly Sachs "Ihr Zuschauenden": » Word-Dokument  | » PDF-Dokument

Seit dem Beginn der Tätigkeit des Vereins zur Erforschung der Geschichte der Juden in Blankenese sind eine Reihe von Stolpersteinen verlegt worden, die an den Wohnorten von Menschen, die aus Blankenese deportiert wurden oder sich in der Ausweglosigkeit der Verfolgung das Leben genommen haben, an diese erinnern. Das Haus Steubenweg 36, heute Grotiusweg 36, hat eine besonders wechselvolle Geschichte hinter sich: Ursprünglich von einem jüdischen Zahnarzt erbaut, diente es in den 30er Jahren als Hachschara, als Ausbildungsstätte für junge Menschen zur Vorbereitung auf die Auswanderung nach Palästina. In den 40er Jahren befand es sich im Besitz der Freien und Hansestadt Hamburg und wurde als Judenhaus, zur zwangsweisen konzentrierten Unterbringung als Juden verfolgter Menschen, verwendet. Aus diesem Haus wurden mindestens 15 Menschen deportiert, die meisten von ihnen mit dem Transport am 19.7.1942 nach Theresienstadt. Zwei Frauen nahmen sich unmittelbar vor diesem Transport das Leben. Alle uns bekannten zeitweiligen Bewohner dieses "Judenhauses" kamen ums Leben.

Bis heute gibt es keine bleibende Erinnerung an diese schrecklichen Ereignisse im Haus Steubenweg 36. Seit 2005 erinnert der Verein am 19. Juli mit einer Kranzniederlegung und einer Gedenkfeier an die Ereignisse der Jahre 1941 und 1942 und die Geschichte des "Judenhauses".

Die letzten Bewohner des „Judenhauses“ Steubenweg 36
(Deportation oder Suizid)

  1. Arnthal, Olga Babette, geb. Wallach, geb. 01.10.1873 Kassel
    Deportiert 19.07.1942 Theresienstadt, dort gest. 03.12.1942
  2. Bachrach, Johanna, geb. Borchardt, geb. 18.02.1867 Exin
    Deportiert 19.07.1942 Theresienstadt, von dort 21.09.1942 Minsk
  3. Bodenheimer, Reline, geb. Wolff, geb. 30.01.1868
    Deportiert 19.07.1942 Theresienstadt, dort gest. 08.02.1943
  4. Bundheim, Caroline Gela Fanny, geb. Wertheim, geb. 28.10.1865
    Deportiert 19.07.1942 Theresienstadt, dort gest. 02.10.1942
  5. Emanuel, Esther, geb. 21.03.1921
    Deportiert 11.07.1942 Auschwitz
  6. Frank, Betti, geb. Levi, geb. 3.9.1894 Unterrieden
    Deportiert 19.07.1942 Theresienstadt, von dort Oktober 1944 Auschwitz
  7. Frank, Siegfried, geb. 01.03.1892 Willmars
    Deportiert 19.07.1942 Theresienstadt, von dort 28.09.1944 Auschwitz
  8. Friede, Elsa, geb. Perlmann, geb. 29.08.1875 Königsberg
    Deportiert 19.07.1942 Theresienstadt, dort gestorben 10.07.1944
  9. Kahan, Ernestine Erna, geb. 30.06.1920 Berlin
    Deportiert 25.10. 1941 Lodz, dort gestorben 01.09.1942
  10. Kostezki, Rachila, geb. Galkowitz , geb. 15.06.1892 Libau
    Deportiert 25.10.1941 Lodz, von dort 10.05.1942 Chelmno
  11. Leicht, Sidonie, geb. Neumann, geb. 17.01.1864 Radwanitz
    Deportiert 19.07.1942 Theresienstadt, dort gestorben 02.01.1943
  12. Levi, Recha, geb. Bodenheim, geb. 15.01.1865 Mannheim
    Gestorben 16.07.1942 Suizid
  13. Löb, Hildegard, geb. 06.03.1923
    Deportiert 06.12.1941 Riga
  14. Philip, Fanny, geb. 29.11.1867 Hamburg
    Deportiert 19.07.1942 Theresienstadt, dort gestorben 09.01.1943
  15. Rosenmeyer, Jenny, geb. Calmann, geb. 22.09.1868 Hamburg
    Deportiert 19.07.1942 Theresienstadt, dort gestorben 24.11.1942
  16. Schümann, Selma, geb. Cohn, geb. 09.05.1876 Hamburg
    Gestorben 17.07.1942 Suizid
  17. von der Walde, Simon, geb. 24.07.1924 Emden
    Deportiert 18.11.1941 Minsk
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Gedenken am Grotiusweg 36*
19. Juli 2006, 11 Uhr*

Wie im Vorjahr hat der Verein auch 2006 am Jahrestag des letzten uns bekannten Transportes nach Theresienstadt an die Geschichte des Hauses Steubenweg 36/Grotiusweg 36 erinnert und am Ort des Geschehens der ermordeten Bewohner des damaligen "Judenhauses" gedacht. In Vertretung des Vorsitzenden Dr. Martin Schmidt richtete Prof. Friedemann Hellwig das Wort an die vor dem Grotiusweg 36 (früher Steubenweg 36) Versammelten. Er erinnerte an die Geschehnisse des 19. Juli 1942, an die Deportation der Bewohner dieses Hauses, das zuvor zum "Judenhaus" erklärt wurde in der Absicht, hier Menschen zusammenzupferchen, um sie leichter in die Konzentrationslager bringen zu können. Gedacht wurde auch derjenigen, die sich der anstehenden Deportation durch Selbsttötung entzogen hatten. Reihum verlasen die Versammelten die Namen der 17 Opfer. Schleifen mit ihren Namen und Lebensdaten, dazu Blumen markieren die Stelle des Verbrechens.

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Gedenken am Grotiusweg 36*
19. Juli 2005, 11 Uhr*

Rede von Sabine Boehlich: » Word-Dokument  | » PDF-Dokument